IdéeSport Geschichte

Inklusion ist, wenn alle dabei sein können

Kinder im Primarschulalter haben während den Wintermonaten schweizweit die Möglichkeit, sich jeden Sonntag im Bewegungsprogramm OpenSunday auszutoben. Anfangs 2019 wurden die ersten OpenSundays inklusiv gestaltet, damit auch Kinder mit einem Handicap die Gelegenheit haben, teilzunehmen. Louis Amport, erfahrener Projektleiter im OpenSunday Bern Rossfeld, leitet seit einigen Jahren das Projekt und unterstützt es mit viel Herzblut. Heute erzählt Louis über das OpenSunday Inklusion und seine wertvollen Erfahrungen, die er dabei gemacht hat.

Louis, was bedeutet für dich die Inklusion im Zusammenhang mit dem Programm OpenSunday?
Gelungene Inklusion ist, wenn es nicht mehr offensichtlich spürbar ist, dass eine bestimmte Zielgruppe speziell angesprochen wird, sondern alle ganz normal dabei sein können. Dies stellt dann ein deutlicher Mehrwert dar. Es spielt keine Rolle, wo dieser Inklusionspunkt gesetzt wird – sei es bei der Migration oder bei Behinderten. Ich finde es toll, wie gut sich IdéeSport dieser Thematik widmet. Das OpenSunday Inklusion bietet für alle die Möglichkeit und den Platz zur Bewegung. Es wird ein Gefäss geschaffen, das es heute in dieser Form noch nicht gibt. Im Moment befinden wir uns noch in der Entwicklungsphase. Gelingt diese Phase, kann die Inklusion eine Selbstverständlichkeit in den IdéeSport-Projekten werden. Die Nachhaltigkeit ist dadurch gewährleistet.

Wie gelingt es euch, dass Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam spielen und sich bewegen?
In erster Linie muss man sich bewusst sein, dass es hier um Kinder geht. Ein Kind, unabhängig von Geschlecht, Religion oder einem Handicap, ist einfach ein Kind ohne Vorurteile. Vor allem kleinere Kinder machen den Unterschied von mit und ohne Handicap wenig. Demzufolge sind praktisch keine Berührungsängste sichtbar. Wenn ein Kind mit einer eher seltenen Behinderung zum ersten Mal das OpenSunday besucht, kann es sein, dass gewisse Berührungsängste vorhanden sind. Eine gute Absprache und zusätzliche Betreuung sind dann am Anfang sinnvoll. Meistens reicht aber ein kleiner Anstoss und die Kinder kommen sofort miteinander in Kontakt und spielen zusammen.

Damit sich alle Kinder gemeinsam bewegen, muss nicht viel umgestellt oder vorbereitet werden, sondern es muss nur ein Spiel sein, welches ihnen Freude bereitet. Um dies zu gewährleisten, haben wir gewisse Grundstrukturen. Beispielsweise richten wir die Halle wie ein Spielplatz ein, der aber trotzdem Spielraum lässt, sodass die Kinder ihre Präferenzen und Ideen einbringen können.

Welche Rolle haben für dich die Coachs im OpenSunday?
Für mich sind die Coachs ein extrem wichtiges Element. Ich fühle mich ihnen als Projektleiter mehr verpflichtet, als den Kindern. Wenn ich es hinkriege, dass sie als Coachs funktionieren und die spielenden Kinder in der Halle anleiten, können sie den Kindern verpflichtet sein. Die Coaches haben ein Alter, in welchem sie noch stark formbar sind. Oftmals haben sie schwierige Hintergründe und können mit ihrem Einsatz im OpenSunday wertvolle Sozialkompetenzen, erlernen. Die Entwicklung, die sie während der Saison machen, ist für sie sowohl im Projekt selber als auch sonst im Leben besonders wichtig.

Wie gehen die Coachs mit den Kindern mit einer Behinderung um und inwiefern profitieren sie von dieser zusätzlichen Aufgabe?
Das ist sehr unterschiedlich. Teilweise sind sie sehr zurückhaltend und unsicher, besonders am Anfang. Manchmal gebe ich den Coachs Tipps. Jedoch bin ich ein grosser Fan davon, dass sie ins kalte Wasser geworfen werden und sich diesen Situationen annehmen, um ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Sie müssen lernen, auch mit ungewohnten Umständen zurechtzukommen und eigenhändig einen Weg finden, wie sie damit umgehen sollen. Dies ist ein riesiges Lernfeld für sie, in welchem sie auch Fehler machen dürfen. In diesem Prozess können die Jugendlichen viel profitieren und sie entwickeln sich meistens schnell weiter.

Ist es ein Vorteil für das OpenSunday Inklusion, wenn der Projektleiter selbst auch ein Handicap hat?
In meinem Fall ja, da ich selber auch beruflich im Behindertenbereich tätig bin. Nicht aber allgemein gesehen. Nur weil ich im Rollstuhl bin, heisst es nicht, dass ich auch ein guter Projektleiter bin. Viel wichtiger ist die Einstellung dazu. Und diese kann nicht in einem Inklusionskurs gelernt werden, sondern muss einem einfach gegeben sein. Man muss sich darauf einlassen können und sich mit dieser Thematik auseinandersetzen wollen. Natürlich kann ich mich besser in gewisse Kinder hineinversetzen und kann mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren. Ich bin jedoch der Meinung, dass ein Projektleiter ohne Handicap mit der richtigen Einstellung genauso geeignet ist für ein OpenSunday Inklusion.

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