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«Inklusion findet spielerisch statt»

04.02.2022

Stefan Müller ist Projektmanager bei IdéeSport und Teil der internen Arbeitsgruppe, welche sich mit Hilfe von Procap der Inklusion von Kindern mit Behinderungen in den OpenSunday-Projekten angenommen hat. Einblicke in diese herausfordernde Arbeit, Zukunftsaussichten und seine Inklusions-Highlights: Das und mehr erfährt ihr im Interview.

Alter: 25

Wohnort: Bern

Berufliche Tätigkeit: Projektmanagement bei IdéeSport

Erfahrung mit Inklusion: BSc Sports Science & Education, Evaluation der ersten inklusiven OpenSunday-Pilotprojekten im Rahmen der Bachelorarbeit, Arbeitserfahrung als Assistenzperson, diverse Seminare und Weiterbildungen zum Thema Menschen mit Behinderungen im Sport

Hobbies: Roundnet, Schwimmen, Kochen

Du bist Mitglied der internen Arbeitsgruppe zum Thema Inklusion bei IdéeSport. Wie kam diese Gruppe zustande und warum hast du dich dafür gemeldet?

Nachdem in einigen Pilotprojekten bereits einige Inklusionserfahrungen gemacht wurden, entstand im Januar 2020 die Arbeitsgruppe, um den überregionalen Wissensaustausch zu fördern. Da ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit bereits mit dieser Thematik auseinandergesetzt hatte und es mir am Herzen liegt, dass wir das Thema als Stiftung angehen und zur Entstigmatisierung beitragen, bin ich beigetreten.

Welches waren eure ersten Schritte?

Wir haben die Erkenntnisse der Hallenteams genutzt, um die Rahmenbedingungen, Ziele und Grenzen der Arbeitsgruppe festzulegen. Zudem haben wir einen Austausch zwischen allen Projektleitenden, die bereits Erfahrung mit Inklusion gemacht hatten, organisiert.

Welchen Herausforderungen musstet ihr trotzen? Und wie seid ihr mit Rückschlägen oder Misserfolgen umgegangen?

Als nicht betroffenen Person ist man sich schnell unsicher und versucht, sich an Fachwissen festzuhalten. Bis zu einem gewissen Punkt macht das Sinn, doch man kann sich darin verlieren. Inklusion von Menschen bzw. Kindern mit Behinderungen ist so vielfältig, man muss den Anspruch loslassen, einen generalistischen Weg zu finden. Stattdessen sollte man auf Offenheit setzen, das grosse Ganze im Blick behalten und sich trauen, Erfahrungen zu sammeln – denn aus diesen lernt man. Dies den Hallenteams zu vermitteln, ihnen diese Sicherheit und Kompetenz zuzusprechen, war eine Herausforderung.

Warum habt ihr euch auf das OpenSunday-Programm fokussiert – und nicht auf das MiniMove (für Kinder im Vorschulalter) oder MidnightSports (für Jugendliche im Oberstufenalter)?

Das OpenSunday-Programm passt am besten, da es polysportiv und vielfältig ist. Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Primarschüler*innen, gibt es im OpenSunday erhebliche Unterschiede, was die sportlichen Fähigkeiten und Interessen der Kinder angeht. Deshalb hat jedes Projekt sowohl eine Bewegungslandschaft als auch Platz für freie Spielwahl. Diese bereits vorhandene Diversität ist dem Zweck dienlich, die Inklusion findet spielerisch statt. Zudem besuchen die Kinder die Veranstaltungen ohne Eltern/Bezugspersonen, was den Austausch unter den Kindern fördert.

Unter anderem stellt ihr die Schulung der Hallenteams sicher. Woher habt ihr die erforderliche Expertise? Arbeitet ihr mit Fachpartner*innen zusammen?

Genau, wir arbeiten mit Procap zusammen. Für die erste Teamschulung haben sie einen Vorschlag erarbeitet, den wir auf unser Konzept anpassen konnten. Sie begleiten uns mit ihrem Wissen und durch regelmässigen Austausch. Im Verlauf der Zusammenarbeit nahmen sie eine beratende Rolle ein, da wir uns auf die Erfahrungen der Hallenteams stützen. Einige Mitglieder der Arbeitsgruppe haben Weiterbildungen besucht und die Projektleitenden und Seniorcoachs haben die Möglichkeit, einen Inklusionskurs zu besuchen und/oder das Thema mit dem ganzen Hallenteam im Rahmen des Teamkurses aufzugreifen. Dokumente zur Thematik stehen ihnen zur Verfügung.

Ist eine Ausweitung auf weitere bzw. alle Programme der Stiftung geplant?

Nein, das ist zurzeit nicht geplant. Jedoch ist anzumerken, dass unsere alle Projekte schon immer für alle Kinder und Jugendlichen offen waren. Die Inklusionserfahrungen aus den OpenSunday-Projekten werden auch den Hallenteams der anderen Programme offengelegt. Dabei ist ein nachhaltiger Umgang mit unseren Zielgruppen, die auch in anderen Bereichen eine hohe Diversität aufweisen, das Ziel.

Da seit dieser Saison alle OpenSunday-Projekte inklusiv sind, könnte man meinen, das Ziel sei erreicht. Wie geht es weiter mit der Arbeitsgruppe?

Wir sind mit allen Projekten nun im Abschluss der Pilotphase. Dabei ist es wichtig, Erkenntnisse zu sammeln und davon möglichst breit zu profitieren. Weiter ist eine externe Evaluation geplant, welche die Implementierung beurteilt und Verbesserungspotenzial aufzeigt. Schliesslich ist es das Ziel, die Arbeitsgruppe aufzulösen und den Aspekt der Inklusion als fixer Bestandteil des regulären OpenSunday-Konzeptes weiterzuführen.

Was ist für dich das Highlight bzgl. deiner Tätigkeit in der Inklusions-Arbeitsgruppe?

Projektleitende der ersten inklusiven OpenSunday-Projekte leiten inzwischen Inklusionskurse für Hallenteams und können so authentische und wertvolle Tipps mitgeben. Diese Entwicklung beeindruckt und ihre Begeisterung erfreut mich. Weiter freue ich mich für jedes Kind, das bei uns Spass und Bewegung findet und so auch für die Hallenteams einen greifbaren Erfolg generieren, der sie motiviert und ihnen ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und gelernte Aspekte umzusetzen.

Gesamtgesellschaftlich betrachtet: Wo siehst du weiteres Potenzial, um die Inklusion von Kindern mit Behinderungen nachhaltig zu fördern und Chancengerechtigkeit in diesem Bereich zu schaffen?

Ich sehe den Fokus bei der Sensibilisierung und Entstigmatisierung. Noch immer ist das Wort «behindert» in unserem Sprachgebrauch oft negativ behaftet, daran müssen wir als Gesellschaft arbeiten.

Ich habe nicht den Anspruch, dass jedes Angebot inklusiv wird. Menschen sind verschieden, haben unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten, das ist schön. Wichtig ist, dass jedes Kind die Chance hat, irgendwo ein passendes «Plätzli» zu finden.

Interne Arbeitsgruppen, für die man sich melden kann?
Das gehört zu unserer agilen Arbeitsweise! Mehr dazu lest ihr hier.

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